Positionen
Karoline Kleinschmidt
Elektronikerin und Diplom-Sozialwirtin, IG Metall Bezirk
Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, www.igmetall-nieder-sachsen-anhalt.de
„Der Bedarf
an hoch qualifiziertem Personal in Deutschland ist sehr hoch. Wenn
jemand bereit ist, seine berufliche Aus- und Weiterbildung durch ein
Hochschulstudium zu ergänzen, sollten hier alle Wege offen stehen. Dazu
gehört es auch, dass im Erwerbsleben erworbene Qualifikationen an
Hochschulen anerkannt werden. Unsere Initiativen zu Durchlässigkeit und
Anrechnung müssen unbedingt weiter gehen!“
Thorsten Herkert
Leiter Ausbildung, Müller Weingarten AG,
Niederlassung Umformtechnik Erfurt, www.mwag.de
„Gerade in Industriebereichen,
in denen sowohl praktisches als auch theoretisches Wissen relevant ist,
ist es wichtig, dass die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern
innerhalb des Produktionsprozesses stimmt. Ich erwarte daher sowohl von
den Bereichen der Entwicklung als auch von jenen in der Fertigung, dass
sie sich in die Arbeitsgebiete und den Sachverstand der jeweils anderen
Kollegen hineinversetzen können. Mitunter ist die Kluft zwischen den
gewerblichen Fachkräften und den akademischen Mitarbeitern jedoch recht
hoch, so dass unnötige Reibungsverluste entstehen. Um einen optimal
integrierten Produktionsprozess zu gewährleisten, macht es sich gut,
wenn die mit Koordinationsverantwortung betrauten Mitarbeiter auch über
praktische Fähigkeiten verfügen. Die Qualifizierung unserer Techniker
über die Anrechnung beruflicher Kompetenzen auf ein Hochschulstudium,
wäre eine vielversprechende Option, theoretisch versiertes akademisches
Personal mit entsprechendem praktischen Erfahrungshintergrund zu
entwickeln. Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Modell nicht nur für
unser Unternehmen, sondern für den gesamten deutschen Arbeitsmarkt eine
echte Qualifizierungsalternative darstellen kann.“
Prof. Dr. John Erpenbeck
Steinbeis Institut Berlin / Transfer Institut Business
Administration and International Entrepreneurship Herrenberg, www.steinbeis-academy.de
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„Den Begriff des lebenslangen Lernens halte ich für entweder trivial doer falsch. Trivial, wenn man alle Veränderungen des Bewußtseinsinhalts - also auch die Entwicklung von Emotionen, Motivationen, Meinungen und Glauben, also von Wissen im weitesten Sinne - als Lernen bezeichnet. Dann lernt man natürlich in jeder Minute, lebenslang, von der Wiege bis zur Bahre. Meint man damit die Aneignung von Wissen im engeren Sinne, von Kenntnissen, von Sach-, Fach- und Methodenwissen wird phasenweise und in besonderen Lebens- und Arbeitssituationen gelernt; das kann auch in hohem Alter der Fall sein, muss es aber nicht notwendig.
Eine produktive Mittelstellung nimmt der Kompetenzerwerb ein, den man aufgrund seiner non-formellen und informellen Anteile nur zögernd als Lernen im einen oder anderen Sinne bezeichnen mag. Kompetenzerwerb beruht auch auf der Aneignung von Fertigkeiten, Wissen und Qualifikationen, doch kommt die Aneignung von Regeln, Werten und Normen, zu eigenen Emotionen und Motivationen interiorisiert, hinzu. Wären Qualifikationen mit Kompetenzen gleichzusetzen, gäbe es nicht so viele Hochqualifizierte Inkompetente. Im Gegensatz zu Wissen im engeren Sinne, Fertigkeiten und Qualifikationen sind Kompetenzen immer um Wertekerne zentriert. Wert- und Kompetenzaneignung geschieht nicht in klassischen Lernprozessen, sondern in praktischem Handeln, im Coaching und Training (Erpenbeck, Sauter 2007) - auch das nicht lebenslang, aber lange das Leben begleitend.
Wissen im engeren Sinne, Fertigkeiten und Qualifikationen sagen über
die reale Handlungsfähigkeit (Performanz) wenig aus. Deshalb kann
eine echte Durchlässigkeit im beruflichen Bereich nur durch Anrechnung
von Kompetenzen erreicht werden. Der EQF ist sinnvoller Weise vor allem
ein Kompetenzrahmen - und das ist auch gut so.“
Sabine Vollmer
Lehrerin, tätig in der Personalentwicklung der Volkswagen Bank
GmbH, www.volkswagenbank.de
„Ich bin der Meinung, Weiterbildung darf
keine Sackgasse darstellen! Ich betreue unternehmensseitig unsere
Mitarbeiter (innen), die sich gerade in der Weiterbildung zu Operativen
Professionals befinden. Gerade im IT-Bereich ist die ständige
Auseinandersetzung mit neuen Inhalten unerlässlich. Gerade deshalb ist
es für unsere Mitarbeiter (innen) wichtig, sich über die beruflichen
Anforderungen hinaus weiterzubilden, zu qualifizieren und Karrierepfade
in unserem Unternehmen einzuschlagen. Der logische Weg ist ein
berufsbegleitendes Studium, wo Sie das bereits erworbene Wissen mit
neuen Aufgaben und Anforderungen verzahnen können. Um die
Einstiegshürden an die Hochschulen zu überwinden, halte ich es für
absolut sinnvoll, dass bereits erbrachte berufliche Leistungen
anerkannt und gewürdigt werden. Um diese entsprechende
Anrechnungsstrukturen zu ermöglichen, braucht es viel Zeit und Kraft.
Wir sind in der Region Braunschweig durch unseren neu gegründeten
IHK-Prüfungsausschuss mit hochschulischer Beteiligung schon auf einem
guten Weg, diese Anrechnung an Hochschulen umzusetzen.“
Eike Landsberg
Geschäftsführer, Fa. Delbrouck GmbH, Menden, www.delbrouck.de
„Das Thema Anrechnung
beruflicher Kompetenzen auf Weiterbildung auf Hochschulniveau hat mich
bis vor kurzem noch gar nicht beschäftigt. Ich merke nun aber immer
mehr, dass der sogenannte technische Fortschritt ein ganz realer
Fortschritt ist. In unserem Werkzeug- und Modellbau haben wir zwar
schon immer Mitarbeiter benötigt, die sich weiterqualifizieren und auch
mit den neuesten Entwicklungen auskennen. Ich habe aber den Eindruck,
dass das Erfordernis, neues Wissen in die Firma zu bekommen, in immer
kürzeren Zeitabständen ansteht. Wenn sich unseren guten Leuten, die zum
Teil von der Ausbildung an bei uns im Unternehmen sind, die sich dann
zu Meistern und Technikern weiterqualifiziert haben, eine weitere
Möglichkeit bietet, aktuelles Know-how über eine Weiterbildung an einer
Hochschule zu gewinnen, dann ist das aus meiner Sicht eine Überlegung
wert. Wie das konkret mit so einer Anrechnung funktionieren soll und
wie das in Kombination mit den betrieblichen Anforderungen aussehen
kann, ist mir allerdings noch nicht klar. Ich glaube, da müssen
Betriebe und Hochschulen noch etliche Berührungsängste abbauen.“
Bruno Leidenberger
Ind.-Kaufmann, Diplomvolkswirt, Leiter Personalreferat ACE
Auto Club Europa, e.V. Stuttgart, Vorstandsekretär, Prokurist
ACE-Wirtschaftsdienst GmbH,
www.ace-online.de
„Eine erhöhte
Durchlässigkeit zwischen den Bereichen beruflicher und hochschulischer
Bildung und der damit verbundenen Höherqualifizierung kann ich nur
nachdrücklich begrüßen. Die Anforderungen an jegliche Art von
Unternehmen werden immer komplexer und schwieriger. Unsere
Organisation, ein mittelständischer Mobilitätsdienstleister, stand in
der zweiten Hälfte der 90er Jahre vor einer Situation, die ein
gravierendes Umsteuern und die Anpassung an veränderte Marktbedingungen
erforderte. Den Verantwortlichen war zunächst klar, dass der ACE diese
Herausforderungen gemeinsam mit allen seinen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern bewältigen sollte. Für uns als Gewerkschafter und mich als
Personalentscheider und zudem in einer gewerkschaftsnahen Einrichtung –
der ACE ist eine Gründung des DGB und seiner Mitgliedsgewerkschaften -
denen er noch heute über die Vereinssatzung verbunden ist – war dies
keine Frage. In der Praxis zeigte sich aber, dass die Bereitschaft den
Umstrukturierungsprozess mitzugehen, sehr unterschiedlich ausgeprägt
war und massiver Widerstand schließlich zu Trennungen in größerem
Umfang führte. Das war für alle Beteiligten eine schmerzliche
Erfahrung. Dabei wurde deutlich, dass die Fähigkeit neue Anforderungen
zu bewältigen ganz wesentlich vom Qualifikationsniveau der Kolleginnen
und Kollegen beeinflusst wurde. Abgesehen von den Fällen, in denen
einfach die persönliche wirtschaftliche Situation in Verbindung mit der
Arbeitsmarktlage im Vordergrund stand, galt je höher das Niveau, desto
größer die Fähigkeit sich auf Neues einzulassen. Diese Erfahrung
bestätigt, durch die in den Jahren 2005/2006 geführte Debatte um eine
neue Unternehmensstrategie, an der alle Führungsebenen top down bis zu
den Abteilungsleitern beteiligt waren, wie wichtig qualifizierte
Beschäftigte für eine erfolgreiche Organisationsentwicklung sind und
dass Höherqualifizierungen ein wesentliches Moment von Personal und
Organisationsentwicklung darstellen. Die Ergebnisse der
ANKOM-Initiative erwarte ich deshalb mit großem Interesse.“
Kai Alexander Quante
Diplom-Informatiker, CIO und Prokurist, EVES Information
Technology AG,
www.eves-it.de
„Ich finde
das Thema Anrechnung von beruflichen Kompetenzen auf
Hochschulstudiengänge sehr spannend und wichtig, denn in meinem
Unternehmen benötige ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sowohl
den methodisch, theoretischen Hintergrund der Hochschule haben als auch
gleichzeitig Praxisnähe und Erfahrung mitbringen. Bisher habe ich
deshalb lieber Fachhochschulabsolventen eingestellt als Absolventen der
Hochschule ohne praktische Erfahrungen. Berufserfahrene mit relevanten
Kenntnissen, die an Hochschulen vermittelt werden, wären für die
Belange des Unternehmens ideal. Es gibt Menschen, die eine
qualifizierte Ausbildung und lange Jahre in ihrem Beruf gearbeitet
haben, die sich einen Hochschulabschluss wünschen. Warum soll man ihnen
daher das, was sie bereits gelernt und in der Praxis unter Beweis
gestellt haben, nicht für einen Hochschulabschluss anerkennen? Um die
Brücke zwischen Praxis der Wirtschaft und Theorie der Hochschulen zu
bauen, engagiere ich mich unter anderem als Fachausschussmitglied im
Rahmen von ANKOM-IT und im neu gegründeten IHK-Prüfungsausschuss für
Operative Professionals als Unternehmensvertreter, bei dem
selbstverständlich auch die Hochschulseite mit eingebunden ist.“
Dr. Christine Haupt
Leiterin des Geschäftsbereichs Consulting Services bei der
Computacenter AG & Co oHG, http://www.computacenter.de
„IT-Dienstleister stehen unter einem enormen
Innovationsdruck. Unsere Kunden sind Unternehmen, die im heutigen
Marktumfeld den Einsatz von neuen IT-Lösungen nur noch begründen
können, wenn sie damit Kosten senken, die Produktivität steigern und
Wettbewerbsvorteile erzielen. Diesen Innovationsdruck können wir nur
mit entsprechend qualifizierten Beschäftigten standhalten. Mein eigener
Verantwortungsbereich umfasst mehr als 400 Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen, die in der IT-Beratung tätig sind. In unseren
Zielvereinbarungen im Rahmen der regelmäßigen
Mitarbeiterentwicklungsgespräche spielt das Thema Weiterqualifizierung
eine zentrale Rolle. Eine Anrechnung bereits erworbener beruflicher
Kompetenzen für eine Höherqualifizierung über ein Hochschulstudium
halte ich generell für eine äußerst interessante Option. Sie erkennt
und honoriert das, was jemand bereits vor einem Studium gelernt und
geleistet hat. Ich bin sicher, eine konkrete Anrechnung würde bei
Vielen die Hürde zu einer wissenschaftlichen Weiterqualifizierung
deutlich senken. Im Interesse eines Kompetenzstandortes Deutschland
kann ich die Entwicklung für mehr Durchlässigkeit in Richtung
Hochschule nur begrüßen. Wir müssen Hochqualifizierungen ermöglichen
und fördern, um unseren Wettbewerbsvorteil zu erhalten.“
Dr.-Ing. Mike Meinhardt
Leiter Wissensmanagement, SMA Technologie AG in Niestetal, www.sma.de
„Als
Wissensmanager in einem Unternehmen der Solarindustrie und
Lehrbeauftragter an der Universität Kassel bin ich intensiv mit der
Ausbildung und Personalentwicklung von Ingenieuren und Facharbeitern
beschäftigt. Hierbei sehe ich immer wieder die Notwendigkeit, die
Grenzen der klassischen Ausbildungskonzepte zu überschreiten. Oft
fehlen den Hochschulabsolventen der Ingenieurwissenschaften Softskills,
wie sie beispielsweise für interdisziplinäre Teamarbeit oder
erfolgreichen Kundenkontakt dringend benötigt werden. Welche
Kompetenzen bei jedem Mitarbeiter individuell auszubauen sind, zeigt
sich aber immer erst im wahren Berufsleben. Die betreffenden
Fähigkeiten bilden sich bei den Mitarbeitern entweder "en-passant" in
der täglichen, beruflichen Praxis heraus oder müssen gezielt geschult
werden. Dies gilt in gleichem Maße für Ingenieure als auch für
Facharbeiter. Weiterbildungsmöglichkeiten zur Höherqualifizierung, die
auf bereits erworbenen Kompetenzen aufbauen und diese anrechnen, sind
dabei längst überfällig. Aus meiner Sicht sind die Chancen noch nicht
hinreichend erkannt, die eine höhere Durchlässigkeit zwischen Berufs-
und Hochschulwelt für Unternehmen bieten. Die Anrechnung beruflicher
Kompetenzen bei der Höherqualifizierung spielt dabei eine wichtige
Rolle. Unternehmen und Bildungseinrichtungen, die diese Chancen früh
genug erkennen, werden im zukünftig immer stärker werdenden Wettbewerb
um qualifizierte Arbeitskräfte eindeutig im Vorteil sein.“
Otto Berthold
Dipl.-Ingenieur und Leiter Sachgebiet "Neue Technologien und
Marktpartner" in der Abteilung "Marketing" bei der GASAG, Berliner
Gaswerke Aktiengesellschaft, www.gasag.de
„Für mich
gehören Qualifizierungen und lebenslanges Lernen zum ganz normalen
beruflichen Alltag. Durchlässigkeit zwischen verschiedenen Professionen
konnte ich aus eigener Erfahrung erleben. Meine Einstieg in den Bereich
Marketing bei der GASAG knüpfte zwar an die Inhalte meiner Ausbildung
als Diplom-Ingenieur an, ein erfolgreicher Aufstieg wäre aber nicht
möglich gewesen, ohne die Bereitschaft, sich die erforderlichen neuen
Kompetenzen anzueignen. Die GASAG unterstützte mich dabei u. a. in Form
von zeitlichen Freistellungen für Fortbildungsmaßnahmen. Dies
verstärkte meine persönliche Motivation nicht zuletzt deshalb, weil es
mir dadurch trotz des hohen zeitlichen Einsatzes möglich war, Beruf und
Familie im Gleichgewicht zu behalten. Aus meiner Sicht verbirgt sich
hinter den Stichworten Lebenslanges Lernen und Durchlässigkeit ein
Ansatz von dem Beschäftigte und Unternehmen gleichermaßen profitieren
können.“


